Virenscanner auf dem iPhone: Sinnvoll oder unnötig?

14. November 2021 | Von:
Das Internet wird immer größer und attraktiver - doch leider auch gefährlicher. Täglich wird das Internet von Schadprogrammen überschwemmt und es werden neue Sicherheitslücken entdeckt. Dadurch entsteht ein Teufelsmix, der sehr gefährlich werden kann.

Das Verlangen nach Sicherheit ist eines der Grundbedürfnisse der Menschen. Am Computer gehört die Installation einer Antiviren-Software zu den wichtigsten Aufgaben. Ohne Antivirenprogramm sind Computer einem hohen Sicherheitsrisiko ausgesetzt. Nun könnte man meinen, dass auch das iPhone eine Virenschutzsoftware benötigt, doch das ist nicht der Fall!

Das iOS-System ist NICHT für Virenscanner geeignet

Um zu verstehen, warum ein iPhone keinen Virenscanner benötigt, muss man verstehen, wie Apps auf dem iPhone arbeiten. Auf dem iPhone werden alle Apps in einem eigenen isolierten Bereich ausgeführt[1], vollständig vom System getrennt - das sogenannte Sandboxing. Dadurch unterscheidet sich das iOS-System stark von anderen Betriebssystemen.

Apple Sandboxing
Unter iOS bekommt jede App ihre eigene Sandbox.

Damit ein Antivirusprogramm wirksam arbeitet, muss es sehr tief in das Betriebssystem eindringen. Aufgrund der starken Trennung zwischen Apps und iOS-System können Antivirenprogramme auf dem iPhone nicht zuverlässig funktionieren. Innerhalb einer Sandbox kann eine Antivirus-App die Aktivität anderer Apps nicht analysieren.

Trotzdem bieten einige Antivirus-Hersteller inzwischen „Antivirus“-Apps für iOS an. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um Sicherheitsapps ohne Antiviren-Engines. Sie enthalten Sicherheitsfunktionen wie z. B. Ad-Blocker, Antitracking-Module, VPNs oder Passwort-Manager. Solche Programme als „Antivirus“-Apps zu bezeichnen ist für die Nutzer irreführend.

Das iOS-System ist von Haus aus sicher

Virenscanner sind unter iOS unnötig. Apple setzt mit dem Betriebssystem iOS sehr auf das Thema Sicherheit.
  • iPhone-Nutzer können Apps ausschließlich aus dem App Store laden. Bevor eine App im App Store landet, wird sie von Apple sorgfältig überprüft und signiert[2]. Die Codesignierung verhindert die Ausführung nicht autorisierter Apps auf dem Gerät. Die Gefahr durch Malware ist nicht realistisch.
  • Wie bereits angesprochen ↑, werden alle Drittanbieter-Apps unter iOS in einer eigenen Sandbox ausgeführt. Die Sandbox ist eine in sich geschlossene Umgebung, die sämtliche Drittanbieter-Apps vom Betriebssystem und von anderen Apps isoliert. Außerhalb der eigenen Sandbox können Apps keine Änderungen vornehmen. Weiterführende Informationen finden Sie im Dokument „The Apple Sandbox“[3].
  • Alle Dateien im iOS-Dateisystem werden verschlüsselt. Zum Einsatz kommt der Advanced Encryption Standard (AES)[4]. Dieser gilt aktuell als der sicherste überhaupt. Sobald das Gerät eingeschaltet wird, entsperrt die dedizierte AES-Crypto-Engine, auf der sich die 256-Bit-Hardwareschlüssel befinden, das Dateisystem. Zusätzlich können App-Enwickler einzelne Dateien und Schlüsselbundelemente mit der iOS-Data-Protection-API verschlüsseln.
  • Je mehr Nutzer ein Betriebssystem nutzen, desto interessanter wird es für Betrüger, es zu missbrauchen. Mit einem Marktanteil von 27,6 Prozent ist Apple iOS kein großes Ziel[5]. Googles Betriebssystem Android mit seinen 72,4 Prozent Marktanteil ist deutlich attraktiver für Cyberkriminelle.

Tipps für noch mehr Sicherheit unter iOS

Schadprogramme stellen keine große Gefahr für iOS-Geräte (iPhone, iPad) dar. Leider sind Schadprogramme nicht die einzigen Gefahren (Spam, Phishing, physischer Verlust, Datenverlust). Die moderne Technik ist wie das Leben selbst: Man weiß nie, was einem im nächsten Moment erwartet. Es gilt einen Weg zu finden, der höchstmögliche Sicherheit garantiert und gleichzeitig gewährleistet, dass man die zahlreichen Möglichkeiten der modernen Technik nutzen und genießen kann.

Die richtige Gerätekonfiguration

Auch unter iOS ist es notwendig die richtigen Einstellungen zu treffen, um maximale Sicherheit zu gewährleisten.
  • Halten Sie das iPhone-Betriebssystem (iOS) immer auf dem aktuellsten Stand, indem Sie die automatische Aktualisierung aktivieren (Einstellungen > Allgemein > Softwareupdate > Automatische Updates). So stellen Sie sicher, dass Ihr Smartphone so sicher wie nur möglich ist. iOS-Geräte werden in der Regel etwa 5 Jahre (nach dem Launch) mit Software-Updates versorgt. Danach sollten Sie sich für ein neueres Gerät entscheiden.
  • Schützen Sie all Ihre iOS-Geräte mit einem Passcode. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme können Sie die Funktion "Daten löschen" von Apple aktivieren (Einstellungen > Face ID & Code), wodurch die Daten auf Ihrem Gerät nach 10 fehlgeschlagenen Anmeldeversuchen gelöscht werden.
  • Standardmäßig stellen iOS-Geräte ohne vorherige Einwilligung automatisch eine Verbindung zu WLAN-Hotspots in der Nähe her. Das macht die Geräte anfällig für betrügerische Hotspots, die persönliche Daten stehlen. Sicherer ist es, diese Funktion zu deaktivieren (Einstellungen > WLAN > Autom. mit Hotspots verbinden).
  • Mobile Geräte sind schnell verloren. Sollte die App „Wo ist?“ nicht auf Ihrem Smartphone oder Tablet installiert sein, laden Sie sich das Programm kostenlos aus dem App Store herunter. Hierbei handelt es sich um Apples Tracking-Werkzeug, mit dem Sie immer wissen, wo sich Ihre iOS-Geräte gerade befinden. Sobald Sie die App starten, werden Ihnen sämtliche Apple-Geräte auf einer Karte angezeigt. Sie müssen dabei lediglich mit derselben Apple-ID betrieben werden. Sie können Ihre Geräte per Fernzugriff sperren, löschen oder eine Nachricht für den Finder hinterlassen, falls es verloren wurde.

Wichtige Verhaltensregeln

  • Erstellen Sie regelmäßig ein Backup von ihrem iPhone - entweder lokal oder über die iCloud.
  • Nutzen Sie im Internet nur sichere Passwörter (10-stellig, mit Sonderzeichen, Zahlen und Groß-/Kleinbuchstaben). Verwenden Sie nie Passwörter, die mit Ihren persönlichen Daten zu tun haben. Solche Passwörter sind leicht zu knacken. Achten Sie auch darauf, dass Sie bei jedem Dienst ein anderes Passwort nutzen. Lesen Sie auch: Sichere Passwörter erstellen - So geht's
  • Achten Sie auf Phishing-Mails. Phishing ist seit einigen Jahren die „Wachstumsbranche“ in der Welt des organisierten Computerbetrugs: Auf den ersten Blick stammen Phishing-Mails von seriösen Unternehmen. Ein in der E-Mail enthaltener Link führt die Opfer wegen angeblicher Sicherheitsprobleme auf eine gefälschte Internetseite. Gibt das Opfer dort persönliche Daten ein, ist es in das Netz der „Datenfischer“ gegangen, und gewährt ihnen freien Zugriff auf Online-Bankkonten oder sonstige Mitgliederbereiche. Für weitere Informationen lesen Sie bitte: Was ist Phishing und wie kann ich mich schützen?

Sicherheitsrisiko Jailbreak

Viele iOS-Benutzer „jailbreaken“ ihre Geräte, um auch nicht-autorisierte Anwendungen und Funktionen von Drittanbietern nutzen zu können. Ein Jailbreak hebelt die Sicherheitshürden des iOS-Betriebssystems aus und macht das Gerät extrem anfällig für Schadsoftware. Wir raten dringend davor ab!

Einzelnachweise

  1. Apple.com: Sandboxing für iPhone und iPad
  2. Apple.com: Codesignierung
  3. ISE.io The Apple Sandbox
  4. Apple.com: Datensicherheit – Übersicht
  5. Statista.com: Vergleich der Marktanteile von Android und iOS
↑ Nach oben